Umgebung von Portoferraio

Nach 4,5 km auf der Straße in Richtung Procchio befindet sich links eine Abzweigung, die zur Villa napoleonica di San Martiono führt, die in einem kühlen, waldreichen und von Weinbergen eingesäumten Tal liegt. Das frühere Bauernhaus erkor der Kaiser zu seiner Sommerresidenz, die er allerdings nur wenig nutzte.

Die bescheidene kleine Villa besteht aus acht Räumen und ist mit Wand- und Deckendekorationen von Pietro Ravelli geschmückt. Im pompösen aber zugleich melancholisch wirkenden Empfangsraum, der sogenannte Ägyptische Saal, erinnern die aufwendigen Darstellungen an den ruhmreichen Ägyptenfeldzug Napoleons und dort befinden sich an einer Wand auch die durch den Verbannten eigenhändig geschriebenen Worte „Ubicumque felix Napoleon“. An die Decke des Beratungszimmers sind in zwei verschiedene Richtungen fliegende Tauben gemalt, die an einem Liebesknoten zusammengezogene Bänder halten. Vielleicht handelt es sich bei diesem Bild um eine Anspielung auf Napoleon und Marie-Louise, die zu diesem Zeitpunkt durch die historischen Ereignisse voneinander getrennt lebten. Auch die die äußerst nüchtern eingerichteten Schlaf- und Arbeitsräume das Kaisers können besichtigt werden sowie die Wohnungen Marshall Bertrand und General Drouots. Auf der Rückseite der Villa liegt ein sehr schöner Park, während der Frontbereich von einer breiten Terrasse eingenommen wird, die zugleich Teil des darunterliegenden Gebäudes ist, das 1852 von Prinz Antole Demidoff errichtet wurde, der Mathilde, eine Tochter von Gerolamo Bonaparte geheiratet hatte. Der im neuklassizistischen Stil gehaltene Bau wurde von dem Architekten Nicolò Mathas entworfen und besteht aus einer mit Lisenen geschmückte Vorhalle, der sich zwei Seitenflügel anschließen. Prinz Demidoff, der ein großer Bewunderer des Kaisers war sammelte Zeugnisse, Fundstücke und Raritäten, die aber nach seinem Tod (1872) von einem Neffen versteigert wurden, der Geld dem Wert der napoleonischen Andenken vorzog.

Heute befindet sich in der Villa die Pinacoteca Foresiana, die eine wertvolle Sammlung von Kunstwerken zeigt, die der Historiker und Gelehrte Mario Foresi der Gemeinde von Portoferraio schenkte. Zu diesen zählen Werke von Reni, Bilivert; Poppi, Castiglione, Lefévre, Borgone, David, Fattori, Michetti, Nomellini, Ciardo; Lloyd, Punccinelli und Signorini. Sehenswert ist unter anderem auch die schöne Galatea, eine Marmorskulptur von Antonio Canova, die die Gesichtszüge der exzentrischen Schwester Napoleons, Paolina Borghese, trägt.

Nicht weit von der villa San Martino entfernt befindet sich das vom Bildhauer Italo Bolano gegründete Valle delle Ceramiche mit einem ungewöhnlichen Freilicht-Museum für Skulpturen, daneben eine Ausstellungshalle mit graphischen Werken, ein Theater und ein Studienzentrum für Gegenwartskunst.

Wenn man an der Reede in Richtung Osten fährt, kommt man gleich nach Portoferraio zu den ehemaligen Salinen, wo sich heute ein modernes Thermalbad befindet,das den mit Schwefel und Eisen angereicherten Lagunenschlamm zur Behandlung von Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten verwendet. Mit Bromjodsalzbädern werden auch Übergewicht, Zellulitis, Nebenhöhlenentzündungen und auch Kreislaufkrankheiten behandelt. Das Thermalbad stellt außerdem Heilmittel aus Algen und und Seemineralien her. In den antiken Salinen ist ein Relikt-Biotop aus einem kleinen Lagunenweiher erhalten, das während der Zugzeiten ein wichtiger Aufenthaltsort für die verschiedenen Wasservogelarten ist.

Wenige Kilometer außerhalb von Portoferraio in Richtung Bagnaia lohnt ein Besuch den Ruinen der Villa romana delle Grotte, die diesem Ort ihren Namen gab und deren von Ginster und Dornenbüschen überwucherten Gewölbereste natürlichen Hohlen gleichen. Die 1960 vorgenommenen Ausgrabungen brachten die Überreste des in Opus reticulatum erbauten, einstmals luxuriösen Herrschaftssitz aus der Kaiserzeit, mit Arkaden zu einem großen Nymphäum und zum Meer abfallenden Terrassen, die Grundmauern, Bruchstücke von Mosaiken, Diener Räume, Vorratskammern, Behälter und ein Schwimmbad mit genialem Leitungssystem für warmes Wasser ans Licht.

 

Nicht weit von der hübschen Ortschaft Magazzini entfernt befindet sich die Kirche von Santo Stefano alle Trane (12.-13. Jh.), eines der am besten erhaltenen Beispiele romanisch-pisanischer Architektur. Sie steht auf einer Anhöhe am Ende einer von zehn kleinen Säulen gesäumten Allee. Die einschiffige Kirche ist an der Fassade mit Rundbögen und Lisenen geschmückte, die Konsolen sind mit grob stilisierten Motiven versehen und das Innere ist durch schmale Fenster an den Seiten und an der Apsis beleuchtet. Für Sonnenanbeter gibt es einige schöne Fels-, Kies - und von Sandstrände, die in der Nähen von Portoferraio liegen. Im Osten: Magazzini, Ottone und Bagnaia; im Westen: Le Ghieie, Scaglieri, Biodola, Enfola und Viticcio.